FMK #1
DIE KRONE DER SCHÖPFUNG

Musiktheatertetralogie FUCK MARRY KILL. In den Wasserspeichern von Berlin-Prenzlauer Berg setzen sich fünf Sängerinnen mit dem klassischen Opernrepertoire, dem Theaterbetrieb und seinen Vorstellungen von Weiblichkeit auseinander. Sie begeben sich auf die Suche nach einem neuen Operntypus, weiblichem Schöpfertum und dem Echo zu wenig gehörter Frauenstimmen. In der Zusammenarbeit mit der Komponistin Ruth Wiesenfeld entstehen neue Musiktheaterszenen, a cappella, und mit der Stimme als Ausgangspunkt.

Es entstehen Szenen, die die Opernbühne kritisch als »white room« und überwiegend heteronormativ reflektieren, die nach künstlerischer Selbstbestimmung von Opernsängerinnen im Betrieb fragen und ein Bewusstsein für abwesende Diskurse (Homosexualität, Rassismus, Alter) schaffen.

Premiere: 23. September 2021 19.30 Uhr
weitere Vorstellungen: 24. , 25. und 26. September 2021​

Großer und Kleiner Wasserspeicher, Belforter Straße, Berlin-Prenzlauer Berg

Projektunterstützung

Gefördert aus Mitteln des Fonds Daku und der maecenia Stiftung.

Team FMK #1

Die Krone der Schöpfung

​RUTH WIESENFELD >

KOMPOSITION UND MUSIKALISCHE LEITUNG

TERESA REIBER >

REGIE

MARGARETHE MAST >

AUSSTATTUNG UND LICHTINSTALLATION

BIBI ABEL >

VIDEO

KATHARINA DUDA
MADELEINE ONWUZULIKE

DRAMATURGIE

RAINER KORSEN
PHILINE STICH
ANNIKA SCHLÜTER
ISMAEL SCHOTT

LICHTTECHNIK

ALEXANDRA KAMEL

TON

SOPHIE BECK

PRODUKTIONSLEITUNG

ELLA HAID-SCHMALLENBERG

REGIEASSISTENZ

HENNING BROCKMANN

PRESSE- UND ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

PRESSESTIMMEN

AUSSCHNITTE AUS DER KRITIK VON ALBRECHT SELGE

Die Aufführung findet in den unterirdischen Wasserspeichern im Herzen des Prenzlberg statt (…) Die Atmosphäre dieser Wasserspeicher ist aufgeladen, nackte Mauern wie in einem uralten, entputzten Sakralraum, kalt und dunkel, verborgen inmitten des Hearts of Hipness. (…) Der sehr lange Nachhall im kleinen Wasserspeicher verfremdet dann bei der Aufführung im kleinen Speicher mit scheinbar ins Leere führenden Treppen die Arienbruchstücke der Sängerinnen. Körper, steht mit Kreide auf die Mauer geschrieben, und mit einem einsamen (natürlich!) amour beginnt’s, das Andrea Baker ins Gewölbe hinaufsingt. Später hören wir Erda im Pingpong zweier Stimmen zwischen den Säulen, und im Schnelldurchlauf krepieren die Frauen: erstickt wie Desdemona oder den eigenen Begräbnisgesang anstimmend wie Dido, When I am laid in earth, etc pp. „In der Oper sterben Männer als Helden und Frauen als Opfer“, heißt es; und in der Tat, die Ausnahmen, die einem einfallen mögen, bestätigen ja eher die Regel.

Akustisch am ansprechendsten ist es ansonsten in dieser trockengelegten Wasserkathedrale, wenn alle fünf Stimmen (in Klangskulpturen von Ruth Wiesenfeld) zusammen- kommen, erst eng im Kreis, dann im Gewölbe sich verteilend. Wie eine postapokalyptische Polyphonie wirkt das.

Albrecht Selge, 27.9.2021

FMK #2
WARTEN AUF GERTRUD ODER DAS TREFFEN DER 100 WUNDERKINDER

Donnerstag, 12. Oktober 2023 bis Sonntag, 15. Oktober 2023, 12.-14.:19.30 Uhr, 15.10.: 17.00 Uhr

»Warten auf Gertrud oder das Treffen der 100 Wunderkinder« setzt sich inhaltlich und diskursiv mit dem Liedschaffen von 100 Komponistinnen aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert auseinander. Zu Unrecht vergessen, werden Komponistinnen zu Lebzeiten als Wunderkinder hochgejubelt, finden aber keinen Eingang in den Kanon der Musikgeschichte und werden systematisch ausradiert aus den Chroniken der Musikgeschichtsschreibung.

Die Negierung der künstlerischen Fähigkeiten von Komponistinnen hat eine lange Tradition und wirkt bis heute nach. Der Abend untersucht die Ursachen hierfür und ordnet die Diskurse. Die Idee des streitbaren Salons aufgreifend, wird ein ephemeres Archiv von Liedern aller Genres und Sprachen erschaffen, transkulturell und stilübergreifend. Zusammen mit einer Schauspielerin, einer Pianistin, vier Sängerinnen und einem Mädchenchor befragen wir das Lied auf seine politische, ästhetische und gesellschaftliche Sprengkraft.

Wie können wir das künstlerische Schaffen von Komponistinnen als einen fundamentalen Teil der klassischen Musik begreifen und nicht als eine geschlechtsspezifische Ausnahmeerscheinung? Das Team von FUCK MARRY KILL recherchiert sich die musikalische Vergangenheit und die künstlerische Zukunft neu.

Veranstalter: FUCK MARRY KILL in Kooperation mit dem Kultur Büro Elisabeth.

Projektunterstützung

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und der Rudolf Augstein Stiftung.

Team FMK #2

Warten auf Gertrud oder das Treffen der 100 Wunderkinder

​MAREIKE HEIN >

SCHAUSPIEL UND CO-KREATION

LANA BODE >

KLAVIER UND CO-KREATION

MÄDCHENCHOR DER SING-
AKADEMIE ZU BERLIN

TERESA REIBER >

REGIE

MARGARETHE MAST >

AUSSTATTUNG

MARION MEYER >

DRAMATURGIE

SOPHIE BECK

PRODUKTIONSLEITUNG

NORA VLADIGUEROV

REGIEASSISTENZ

EMILY SIEDLER

AUSSTATTUNGSASSISTENZ

PRESSESTIMMEN

ARTIKEL VON AIDA BAGHERNEJAD

Sie gehen ins Archiv. Metaphorisch – aber auch ganz tatsächlich: Teresa Reiber und ihr Ensemble bauen im ersten Teil des Liederabends „Fuck Marry Kill #2: Warten auf Gertrud oder das Treffen der 100 Wunderkinder“ ein Archiv nach. In Overalls gehen sie auf die Suche nach den weiblichen „Wunderkindern“ der Musikgeschichte, zu Lebzeiten bejubelt, und dann, wie es oft so geht, wieder ignoriert.

Über das Sujet des Lieds nähern sie sich diesen Frauen, aber vor allem auch den Themen, die sie selbst heute umtreiben. „Wir haben uns damit beschäftigt, wie man diese Themen dann mit dem klassischen Repertoire zusammenkriegt. Gibt es da wirklich eine Lücke – oder vielleicht doch nicht?“, erzählt Reiber.

Aida Baghernejad, Tagesspiegel 09.10.2023

TERESA REIBER IM GESPRÄCH MIT MARION BRASCH

„Wer ist Gertrud?“ – „Das will ich natürlich an dieser Stelle nicht verraten. Es könnte ein Bild dafür sein: Wann wird sich was ändern? Dieses Treffen der 100 Wunderkinder stellt schon eine Frage in den Raum: Wer sind die 100? Wer ist Gertrud?“

„Es ist schon erstmal total interessant zu sagen: Wie definiert sich der klassische Kanon? Wer kennt einen deutschen Komponisten? Ein deutsches Kunstlied? Da würden sofort Namen fallen. […] Im Kern geht’s darum: Wie hat sich weibliche Kreativität ausgedrückt? Im 19. Jahrhundert wurde gesagt: Frauen können nicht komponieren, die haben das nicht, denen fehlt das Geniale. Und das zieht sich bis heute durch.“

Marion Brasch, radio eins 09.10.2023

TERESA REIBER IM GESPRÄCH MIT CARSTEN BEYER

„Es gibt unendlich viele Komponistinnen. Es gibt auch nicht immer nur eine, sondern schon zu Lebzeiten viele. Diese Wunderkind-Idee – eine Komponistin ist hochtalentiert und wahnsinnig erfolgreich, dann schafft sie es ist nicht in den Kanon – verweist immer darauf, dass es nur eine gab. Und das ist falsch.“

„Es gibt dieses Archiv, das nicht aufgeführt wird, wo man keinen Höreindruck hat, das nicht eingeordnet ist. Das ist quasi nicht existent. Deswegen machen wir im ersten Teil Archivarbeit, führen sie auf und fragen: Wo kommen sie her? Welche Geschichten wollen wir erzählen? Im zweiten Teil geht es stärker um Diskurse und die Frage: Woher kommt die Abwertung?“

Carsten Beyer, Deutschlandfunk Kultur 12.10.2023

SYMPOSIUM
KÖRPER. STIMME. MACHT.
Diskussion und Einblick in die künstlerische Praxis zeitgenössischer Komponistinnen

Das Produktionsteam gibt einen Einblick in die praktische Probenarbeit und diskutiert unter der Moderation von Dr. Karin Dietrich (Institut für zeitgenössische Musik, HfMDK Frankfurt am Main) mit Christina C. Messner (Komponistin) und Evelyn Saylor von FEM*_MUSIC*_ über aktuelle Entwicklungen im Feld von weiblicher Stimme und künstlerischer Schöpfung.

11. September 2021 18.00 Uhr I Sharehaus Refugio I Lenaustraße 3–4, Berlin-Neukölln

Gefördert von der Frankfurter Stiftung maecenia für Frauen in Wissenschaft und Kunst.

Video

Projektunterstützung

Gefördert aus Mitteln der maecenia Stiftung.